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„PREPARE“: Kick-Off des Verbundprojektes zu Sucht und Flucht

Anfang Februar 2019 startete das fünfjährige Verbundprojekt „PREPARE“ (Prevention and Treatment of Substance Use Disorders in Refugees) unter Beteiligung des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) der Katholischen Hochschule NRW. Das Projekt widmet sich der Prävention und Behandlung von Suchtproblemen bei Personen mit Fluchthintergrund und setzt sich aus vier Teilprojekten rund um das Thema Sucht & Flucht zusammen. Denn geflüchtete Menschen, die in Deutschland angekommen sind, benötigen rechtzeitige Hilfen, und stellen eine besonders vulnerable Population dar, die bisher nur unzureichend durch im Land bestehende Hilfesysteme erreicht wird.

Das DISuP beteiligt sich unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Klein mit dem Teilprojekt „BePrepared“ an dem Verbund: In Kooperation mit fünf Praxispartnern aus dem Rheinland und dem Distributed Artifical Intelligence Laboratory (DAI) der Technischen Universität (TU) Berlin entwickelt, erprobt und evaluiert das DISuP eine kultursensible Smartphone-Applikation zur indizierten Prävention von problematischem Alkohol- und Cannabiskonsum und Förderung der psychischen Gesundheit für in Deutschland angekommene geflüchtete Menschen. Die Zielgruppe im Projekt „BePrepared“ sind junge, geflüchtete Männer aus den Herkunftsländern Syrien, Irak und Afghanistan. Auf Fokusgruppentreffen mit Betroffenen und Fachkräften wird das innovative Präventionskonzept inhaltlich entwickelt. In Zusammenarbeit mit Kulturmittler_innen und Übersetzer_innen vom Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e. V. werden kulturelle Differenzen überbrückt und die geplanten Inhalte der App (u.a. eine kultursensible Psychoedukation und interaktive Selbsthilfemodule wie zum Beispiel ein Substanzkonsumtagebuch) nicht nur in fünf Sprachen übersetzt, sondern insbesondere kulturell adaptiert.

„PREPARE“ wird im Rahmen der Förderinitiative zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt. Beteiligt sind neben der KatHO NRW die Technische Universität Berlin, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die Charité — Universitätsmedizin Berlin und die Hochschule Emden/Leer sowie einige deutschlandweite Praxispartner.

Zum Auftakt des Verbundprojektes „PREPARE“ begrüßte das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf am 25. und 26.02.2019 Vertreter_innen der Teilprojekte und Praxispartner, darunter Prof. Dr. Michael Klein, Laura Fischer (Wiss. Mitarbeiterin am DISuP) und Vera Kölligan (Wiss. Mitarbeiterin am DISuP). An zwei Tagen wurden u.a. die Teilprojekte vorgestellt und diskutiert, der Start der Kooperation eingeläutet und – wenn schon einmal in Hamburg – der Abend mit einer Führung zur und durch die Elbphilharmonie sowie einem gemeinsamen Abendessen abgerundet. Die nächsten Schritte im Projekt „Be Prepared“ bestehen nun in der Analyse der Hilfebedarfe der Zielgruppe durch Fokusgruppen mit Betroffenen und Vertretern der Hilfeeinrichtungen. (MK/LF/HW)

Für weitere Informationen:

Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung
Prof. Dr. Michael Klein
mikle@katho-nrw.de

Suchthilfe muss moderner werden

Anlässlich des Fachtages „Suchthilfe der Zukunft – Grundversorgung in Schleswig-Holstein“ des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein (DW S-H) am 25. März 2019 in Rendsburg referierte Prof. Michael Klein zu den Entwicklungs- und Zukunftsaufgaben der Suchthilfe in Deutschland. Hintergrund war der innovative Master-Plan des DW S-H, der eine Neubestimmung vor allem der kommunalen Suchthilfe initiieren will. Wie Prof. Klein aufzeigte, weist die ambulante Suchthilfe in Deutschland erhebliche Modernisierung- und Finanzierungsdefizite auf. Insbesondere die Struktur der ambulanten Suchtberatungsstellen hat sich in den letzten 40 Jahren erfreulich entwickelt, leidet aber seit etlichen Jahren unter Stagnation und Erstarrung. Dabei bietet die ambulante Suchthilfe als Versorgungsangebot an den Schnittstellen zwischen Sozialpsychiatrie, Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe und Arbeitslosenhilfe Möglichkeiten der integrierten, nachgehenden Hilfe, die von großer Bedeutung für die psychosoziale Gesundheit der Bevölkerung sind. Allerdings fehlen bislang aussagekräftige Daten zur Effizienz der Hilfen, zu den Reichweiten und der Evidenz insgesamt. Vor diesem Hintergrund hält Prof. Klein eine konsequente und einschneidende Modernisierung der Angebote für zwingend notwendig, um die Suchthilfe zukunftsfähig zu machen. Dazu gehören z.B. verbesserte interdisziplinäre Behandlungsformen, die verstärkte Nutzung digitaler Medien bis hin zur KI (Künstlichen Intelligenz), Förderung und vollständige Integration suchtpräventiver Regelmaßnahmen in das Behandlungsportfolio der ambulanten Suchthilfe. Besonders wichtig ist darüber hinaus die kontinuierliche Qualitätssicherung und Evidenzbasierung der Arbeit der Suchthilfe. Dies kann durch öffentlich finanzierte Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen gelingen. Die Fachkräfte der ambulanten Suchthilfe können so zentrale Mediatoren einer verbesserten psychischen Gesundheit und psychosozialen Lebensqualität der Bevölkerung von Kindheit bis ins Alter werden. Das vollständige Referat kann hier heruntergeladen werden.

(MK) Köln, 25.03.2019

Sucht und Familie – eine transgenerationale Dauerschleife?

Vortrag zur NACOA-Aktionswoche am 14.02.2019 im Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises, Mosbach

„Addiction runs in Families“  und erzeugt Parentifizierung, Familienkonflikte, Beschämung. „Die Generationengrenzen sind alkohollöslich“. Den kompletten Vortrag finden Sie hier.

Müssen Suchttherapeuten einen Burnout erleiden?

Anlässlich der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Suchttherapie e.V. (deQus) vom 05.02. bis 06.02.2019 in Kassel referierte Prof. Michael Klein zum Problem psychischer Probleme und Störungen bei Suchttherapeuten. Diese galten in der Forschung lange als besonders gefährdet, Stress- und Burnoutopfer zu werden. Es konnte jedoch in neueren Studien der Berufsfeldforschung zur Suchttherapie gezeigt werden, dass Suchttherapeutinnen und Suchttherapeuten über eine insgesamt gute psychische Gesundheit verfügen. Dies könnte zum einen daran liegen, dass schon eher sehr psychische gesunde, resiliente Personen Suchtherapeuten werden, zum anderen aber auch daran, dass die Tätigkeit im Feld der Suchttherapie sich langfristig positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirkt, etwa durch vertiefte Selbsterfahrung und intensive menschliche Begegnungen. Positive Effekte können auch durch Teamarbeit und Supervision entstehen. Allerdings machen die von Prof. Michael Klein durchgeführten und vorgestellten Forschungsarbeiten auch deutlich, dass knapp ein Viertel der Suchttherapeuten über psychische Probleme und oft auch körperliche Beschwerden berichtet. Wichtig wird die Bewältigung der Zukunftsanforderungen im Bereich der psychischen Komorbidität der Suchtkranken werden, was sich in komplexeren und schwierigen Therapieprozessen ausdrückt. Auch die zunehmende Wichtigkeit digitaler Innovationen wird die Suchttherapie verändern und die Arbeitsbedingungen der Suchttherapeuten verändern. Der Beitrag von Prof. Michael Klein mit dem Titel „Psychische Belastungen und deren Bewältigung bei Fachkräften in der Suchthilfe. Studienergebnisse – Implikationen – Lösungen“ ist hier downloadbar.

Paritätische Positionierung – Kinder psychisch kranker Eltern: Verstehen, aufklären, entstigmatisieren

BERLIN – Der Deutsche Bundestag hat 2017 den Antrag „Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern“ beschlossen. Hierbei wurde gefordert, eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe einzuberufen. Die Arbeitsgruppe konstituierte sich im März 2018, um Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern zu erarbeiten.  Zusätzlich zur Arbeitsgruppe hat der Bundestag in dem o.g. Antrag auch beschlossen, dass die Bundesregierung Aufklärungsmaßnahmen starten soll, um die Bevölkerung über psychische Erkrankungen aufzuklären und Fachkräfte, die mit den betroffenen Kindern in Kontakt kommen, zu sensibilisieren. Darüber hinaus sollen mithilfe einer Entstigmatisierungskampagne psychische Erkrankungen enttabuisiert werden. Die Bundesregierung hat dazu bisher nichts unternommen.  Der Paritätische fordert die Bundesregierung deshalb jetzt auf, die Aufklärungsmaßnahmen für die Bevölkerung und die Fachkräfte sowie die geplante Entstigmatisierungskampagne 2019 bundesweit zu starten und die dafür notwendigen finanziellen Mittel in angemessenem Umfang  bereitzustellen. Darüber hinaus ist das Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ in Ausbildung und Studium aller beteiligten Fachkräfte zu verankern. Lesen Sie hier mehr zu dem Thema. / https://nacoa.de/node/1299

 

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