BePrepared – Entwicklung und Evaluation einer kultursensiblen digitalen Kurzintervention für junge Geflüchtete zur Reduktion von problematischem Alkohol- und Cannabiskonsum (2019-2024)

In den letzten 10 Jahren sind über 2 Millionen Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, viele davon traumatisiert. Der Anteil junger Männer innerhalb dieser Gruppe ist dabei deutlich erhöht. Traumatisierte Menschen sind, wie die Forschung der letzten Jahrzehnte gezeigt hat, besonders gefährdet für einen problematischen Umgang mit Suchtmitteln. Diese werden dann im Sinne eine Selbstmedikation in Ermangelung alternativer erfolgreicher Strategien eingesetzt. Dadurch entwickelt sich oft eine klinisch relevante Suchtstörung.  Für die Suchthilfe ist es daher wichtig, die Geflüchteten frühzeitig und nachhaltig erreichen, wenn sich bei ihnen Probleme im Zusammenhang mit Suchtmitteln oder Verhaltenssüchten entwickeln, und ihnen passende Angebote zur Prävention, Beratung und Therapie zu machen.

Forschungsverbund PREPARE und das Suchtpräventionsprojekt BE PREPARED

Im Rahmen der Förderinitiative zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) startete Anfang Februar 2019 das fünfjährige Verbundprojekt PREPARE, welches sich der Prävention und Behandlung von substanzbezogenen Störungen bei Geflüchteten widmet und sich aus vier Teilprojekten rund um das Thema Sucht & Flucht zusammensetzt. Die Koordination des Verbundes liegt beim Team um Prof. Dr. Ingo Schäfer (UKE Hamburg), einem international ausgewiesenen Experten für Sucht- und Traumaforschung. 

Das Deutsche Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) der Katholischen Hochschule NRW beteiligt sich unter der Leitung von Prof. Michael Klein mit dem Teilprojekt BePrepared, in dem eine kultursensible digitale Kurzintervention für junge Geflüchtete zur Reduktion von problematischem Alkohol- und Cannabiskonsum entwickelt, erprobt und evaluiert wird. Durch das digitale Format der Smartphone-App wird die Kurzintervention einfach in die Praxis implementierbar und niedrigschwellig erreichbar sein.

So kann ein leicht handhabbarer Beitrag zur indizierten Prävention von Suchtstörungen in einer unterversorgten Population junger geflüchteter Menschen geleistet und der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung im Bereich Suchtprävention erleichtert werden. In der Praxis richtet sich die Präventions-App primär an junge, geflüchtete Männer, da diese (a) wie alle Männer die primäre Risikogruppe bei alkohol- und cannabisbezogenen Störungen sind, (b) der Anteil von Männern unter den Geflüchteten klar überrepräsentiert ist und (c) sich unter den kulturellen Sozialisationsbedingungen der meisten Herkunftsländer bei Frauen eine Distanz im Umgang mit Alkohol und Cannabis zeigt, was sich für diese oft protektiv im Umgang mit den Substanzen hierzulande auswirkt. Bei erfolgreichem Abschluss des Projekts wird die BePrepared-App die erste evidenzbasierte und wissenschaftlich evaluierte Kurzintervention für die Zielpopulation weltweit sein.

Interventionsinhalte

Die präventive digitale Kurzintervention wird mit einem personalisierten Feedback eingeleitet, in dem der Konsum des Nutzers mit dem der Peer-Group verglichen wird. Diese Herangehensweise entspricht dem sozialen Normansatz in der Suchtprävention, mit dem schon oft positive Resultate erzielt wurden, weil die Betroffenen den Konsum ihrer Peers meist systematisch überschätzen.  Wenn sie diese Fehleinschätzung erkennen, relativiert sich der eigene Konsum in niedrigere Richtung. Jeder Nutzer erhält, nachdem er seine Eigenangaben gemacht hat, auf eine empathische, motivierende Weise Feedback zum eigenen Konsum und der berichteten Eigensituation, bei dem die Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit betont wird. Daraufhin wird über vier Wochen wöchentlich ein neues Selbsthilfe-Modul freigeschaltet.

Diese vier Module sind kulturell adaptiert und orientieren sich an bewährten sucht- und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden. Interaktive und spielerische Elemente sollen die Motivation des Nutzers und die Nutzerfreundlichkeit der App erhöhen. Neben psychoedukativen Inhalten, personalisierter Zielsetzung und Ressourcenaktivierung besteht die Intervention aus Modul 1 „Tagebuch“ (Substanzkonsumtagebuch zur Förderung der Selbstbeobachtung), Modul 2 „Verändern“ (Übungen zur Förderung der Veränderungsmotivation), Modul 3 „Denken & Tun“ (Skills-Training mit dem Fokus auf dem Zusammenhang von Gedanken, Verhalten und Konsum) und Modul 4 „Entspannen“ (Atemübung mit dem Fokus auf dem Zusammenhang von belastenden Gefühlen und Konsum). Da die Nutzung anonym und unbegleitet erfolgt, werden dem Nutzer außerdem eine 24-Stunden-Notfallhotline, Hilfsangebote vor Ort in der Region sowie Online-Angebote aufgezeigt.

Methodik

Im Sinne einer praxisnahen Forschung und mit dem Ziel der guten Implementierbarkeit und leichten Nutzbarkeit wurde die Kurzintervention für und mit Geflüchteten entwickelt. So fanden zwei Fokusgruppentreffen mit Betroffenen und Experten aus der Praxis sowie ein drittes Fokusgruppentreffen zur Pilotierung/ ersten Erprobung der App im Vorfeld statt. Zur Zielgruppe der Studie gehören junge Geflüchtete aus den Herkunftsländern Syrien, dem Irak, dem Iran und Afghanistan mit problematischem Konsum von Alkohol und/ oder Cannabis. Digitale Folgeerhebungen finden vier Wochen, drei Monate und sechs Monate nach Beginn der Intervention statt. In einer einarmigen klinischen Durchführbarkeitsstudie wird das Nutzungsverhalten und die Nutzerbewertung sowie -akzeptanz evaluiert. Zusätzlich wird die initiale Wirksamkeit der Kurzintervention auf den Alkohol- und Cannabiskonsum der Nutzer untersucht. Es wird erwartet, dass die Intervention gut durchführbar ist, von den Nutzern in einem hohen Maß akzeptiert wird und zu einer Reduktion des Alkohol- und Cannabiskonsums führt.

Kooperationen

Die BePrepared-App wurde am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) der Katholischen Hochschule NRW, Köln, in Kooperation mit dem Distributed Artificial Intelligence Laboratory (DAI-Labor) der Technischen Universität Berlin entwickelt.

Für die Übersetzungen sowie die kultursensible Beratung und Vermittlung während der Konzeptionsphase wurde das Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e. V. beauftragt. 

Die Koordination des PREPARE-Verbunds wird im Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg unter Leitung von Prof. Dr. Ingo Schäfer realisiert.

Förderung

Der Forschungs- und Praxisverbund PREPARE wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (Förderkennzeichen 01EF1805D). Der Projektzeitraum beläuft sich vom Februar 2019 bis Januar 2024. Zum Projektteam von BePrepared gehören neben Prof. Dr. Michael Klein (DISuP) Prof. Dr. h.c. Sahin Albayrak (DAI-Labor, TU Berlin) und die Wissenschaftlichen Mitarbeiter(innen) Laura Fischer, M.Sc. Psych., Vera Kölligan, M.Sc. Psych., Bennett Symma, B.Sc. Psych., Paul Zernicke, Dipl.-Inform., Nizar Ben-Sassi, Dipl.-Inform., Dr. Jörn Schulz und Yun Yao Wang.

Ziele und Transfer

Das Ziel unseres Projekts BePrepared ist es, möglichst frühzeitig gefährdete Personen mit Fluchthintergrund zu erreichen und ihnen den niedrigschwelligen, einfachen Zugang zur Präventions-APP BePrepared zu ermöglichen. Die APP ist sein Februar 2021 freigeschaltet und kann einfach heruntergeladen werden. Insgesamt stehen derzeit folgende Materialien und Informationen zur Verfügung:

  1. Der Link zur BePrepared-App zum kostenlosen Download befindet sich im Google Play Store. Dieser ist natürlich auch über die Google-Suche nach „BePrepared“ zu finden.
  2. Die projekteigene Website bietet ausführliche Informationen zur App und der Präventionsstudie um Hintergrund (in fünf verschiedenen Sprachen).
  3. Das Praxisbuch zu App und Studie auf dem jeweils aktuellen Stand – für interessierte Fachkräfte aus der Sucht- und Flüchtlingshilfe – mit wichtigen Informationen zum Projekt und den Methoden und Zielen kann wie auch Werbematerial und Informationsflyer beim Projektbüro unter beprepared (at) katho-nrw.de angefordert werden.

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