Anlässlich des Fachtages „Suchthilfe der Zukunft – Grundversorgung in Schleswig-Holstein“ des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein (DW S-H) am 25. März 2019 in Rendsburg referierte Prof. Michael Klein zu den Entwicklungs- und Zukunftsaufgaben der Suchthilfe in Deutschland. Hintergrund war der innovative Master-Plan des DW S-H, der eine Neubestimmung vor allem der kommunalen Suchthilfe initiieren will. Wie Prof. Klein aufzeigte, weist die ambulante Suchthilfe in Deutschland erhebliche Modernisierung- und Finanzierungsdefizite auf. Insbesondere die Struktur der ambulanten Suchtberatungsstellen hat sich in den letzten 40 Jahren erfreulich entwickelt, leidet aber seit etlichen Jahren unter Stagnation und Erstarrung. Dabei bietet die ambulante Suchthilfe als Versorgungsangebot an den Schnittstellen zwischen Sozialpsychiatrie, Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe und Arbeitslosenhilfe Möglichkeiten der integrierten, nachgehenden Hilfe, die von großer Bedeutung für die psychosoziale Gesundheit der Bevölkerung sind. Allerdings fehlen bislang aussagekräftige Daten zur Effizienz der Hilfen, zu den Reichweiten und der Evidenz insgesamt. Vor diesem Hintergrund hält Prof. Klein eine konsequente und einschneidende Modernisierung der Angebote für zwingend notwendig, um die Suchthilfe zukunftsfähig zu machen. Dazu gehören z.B. verbesserte interdisziplinäre Behandlungsformen, die verstärkte Nutzung digitaler Medien bis hin zur KI (Künstlichen Intelligenz), Förderung und vollständige Integration suchtpräventiver Regelmaßnahmen in das Behandlungsportfolio der ambulanten Suchthilfe. Besonders wichtig ist darüber hinaus die kontinuierliche Qualitätssicherung und Evidenzbasierung der Arbeit der Suchthilfe. Dies kann durch öffentlich finanzierte Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen gelingen. Die Fachkräfte der ambulanten Suchthilfe können so zentrale Mediatoren einer verbesserten psychischen Gesundheit und psychosozialen Lebensqualität der Bevölkerung von Kindheit bis ins Alter werden. Das vollständige Referat kann hier heruntergeladen werden.

(MK) Köln, 25.03.2019