9. Karlsruher Präventionstag: Körperbild, Körperwahn, Körperkult

Viele Menschen, vor allem aber Jugendliche und zunehmend auch Kinder, sind von einem Stress zum guten Aussehen betroffen. Durch die heutige Bilderflut wird der ohnehin im Jugendalter vorhandene Druck zur physischen Attraktivität gesteigert und teilweise ins Unerreichbare übergesteigert. Schließlich herrschen Verzweiflung, Selbstabwertung und Obsession mit dem Aussehen vor. Der Körper wird zum Fremdkörper, dem der Jugendliche zunehmend unzufrieden und skeptisch gegenübersteht. Er muss daher modifiziert und manipuliert werden.

Im Rahmen der 9. Karlsruher Präventionstagung am 23. Oktober 2018 (https://karlsruher-praeventionstag.de ), der vom Jugendamt und Präventionsdiensten in Stadt und Landkreis organisiert und durchgeführt wurden, referierte Prof. Michael Klein zu den klinisch psychologischen Aspekten des modernen Körperkults.

Sein Beitrag, dem mehr als 400 Fachkräfte von verschiedenen Fachdiensten aus den Bereichen Jugendhilfe, Medizin, Psychotherapie, Suchthilfe und Prävention zuhörten, stellte unter dem Titel „Mit dem Körper glücklich werden?!“ Strategien zur Prävention und Therapie bei körperbezogenen psychischen Problemen und Störungen dar.

Zu den körperbezogenen psychischen Störungen gehört neben Essstörungen insbesondere die körperdysmorphe Störung (KDS), von der ca. 2% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit zunehmender Tendenz betroffen sind. Dabei glauben dies bei durchschnittlicher oder hoher eigener Attraktivität, dass sie unattraktiv oder gar hässlich sind. Die Macht gefakter Bilder durchschauen, sich selbst akzeptieren auch mit Schwächen, den Selbstwert nicht primär am Aussehen festmachen, die Kunst des Zweimal-Hinsehens und Schönheit auf den zweiten Blick hinter einer Fassade zu entdecken sind nur einige der Hinweise und Lösungen, die helfen können.

Dabei ist Aussehen im Sinne von Ausstrahlung durchaus wichtig. Es kann nicht negiert werden, dass gerade bei der sexuellen Anziehung das Aussehen zunächst eine entscheidende Rolle spielt.

Das wird zum Dilemma, in dem sich viele Menschen und besonders Jugendliche befinden, wenn sie ihren Körper nicht akzeptieren können, wie er ist. Auch hier kann nur die Besinnung auf die eigenen, dennoch vorhandenen Stärken und der Weg über Selbstakzeptanz und dezente Selbstoptimierung helfen.

(MK) 24.10.2018

BzgA-Preis

Anlässlich des Weltkindertages 2018 wurde das Projekt KIDKIT (www.kidkit.de) am 23. September 2018 in Köln mit dem Anerkennungspreis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) für vorbildliche Prävention ausgezeichnet. Prof. Michael Klein ist Initiator dieses ersten Online-Hilfeprojekts, das seit 2003 zusammen mit der Drogenhilfe Köln durchgeführt wird. KIDKIT richtet sich an Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. KIDKIT erreicht jährlich mehr als 100.000 Webclicks und erhält fast 1.000 Beratungs- und Hilfeanfragen. Der Kinderhilfeverein KOALA e.V. ist neben der Drogenhilfe Köln der zweite Träger des Projekts KIDKIT. In Zukunft soll das Online-Angebot KIDKIT, das sich jetzt schon an Kinder suchtkranker, psychisch kranker und gewalttätiger Eltern richtet, für weitere Zielgruppen (z.B. besonders einsame Kinder, Kinder mit sexuellem Missbrauch) weiterentwickelt werden.

(MK, 19.09.2018)

Buchempfehlung: Sucht und Abhängigkeit bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

In diesem Grundlagenwerk für die Praxis wurde neues interdisziplinäres Wissen zum Thema Abhängigkeiten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengestellt. Ziel ist es, den Abhängigen und ihren Familien ebenso wie den professionell Handelnden die Informationen zu vermitteln, mit deren Hilfe es gelingen kann, eine gute und neue Vision vom Leben
zu entwickeln. Über z.B.:

  • verschiedene neue Formen von Abhängigkeit (Computerspiele),
  • Cannabinoide oder die Substanz Crystal,
  • die Rückkopplungsprozesse abhängigkeitsbelasteter Schwangerschaftsverläufe für das Leben nach der Geburt,
  • Essstörungen und andere relevante Themen aus den Randbereichen von Abhängigkeit (z.B. Trauma und Sucht, Traumabehandlung von Kindern und Jugendlichen, Bindung und Sucht),
  • ambulante, teilstationäre und stationäre Infrastruktur der Behandlungsangebote,
  • Systemisches Eltern-Coaching, Neurobiologische Prozesse, interdisziplinäre Kooperation.

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Weiterführende Informationen: PDF Flyer

Sucht über die Lebensspanne – die Kindheit ist entscheidend

Zum 19. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin vom 05.07. bis 07.07.2018 in München referierte Prof. Michael Klein vor mehr als 400 Fachkräften aus der Suchtmedizin zu den Entwicklungs- und Lebensbedingungen der Kinder methamphetaminabhängiger Eltern. Besonders in Sachsen, Thüringen und in der bayerischen Oberpfalz sind Familien von der Abhängigkeit eines Elternteils vonn Methamphetamin („Crystal Meth“) betroffen. Werden die Eltern dieser Kinder rechtzeitig durch koordinierte Hilfen der Frauenärzte, Hebammen, der Jugend- und Suchthilfe erreicht und zur Veränderung ihres Suchtverhaltens in Richtung Abstinenz bewegt, bestehen gute Chancen auf eine suchtspezifische Behandlungsaufnahme. Bei methamphetaminabhängigen Eltern besteht dann eine fast 80-ige Chance, dass sie im Behandlungsprogramm bleiben und damit sehr oft auch ihre Abstinenz festigen. In einem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) finanzierten Projekt wurde von einer Arbeitsgruppe am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) unter Prof. Michael Klein ein elternspezifisches Beratungs- und Behandlungsprogramm entwickelt und evaluiert. Dieses als SHIFT-Elterntraining (Suchthilfe- und Familientraining) bezeichnete Programm besteht aus acht Modulen zur Förderung der Familienresilienz und hat die oben beschriebenen guten Ergebnisse bezüglich Akzeptanz und Verbleib bei der Studie mit mehr als 80 methamphetaminabhängigen Eltern erreicht. Ein Transfer des SHIFT-Programms zu allen illegalisierten Drogen und in alle bundesdeutschen Regionen ist nunmehr geplant.

[Michael Klein, Köln, 12.07.2018]

Crystal Meth in der Schwangerschaft und danach – Hilfen für methamphetaminabhängige Eltern, betroffene Kinder und Pflege- und Adoptiveltern

Der Vortrag „Methamphetamin und Familie – Förderung der Familienresilienz, den Prof. Michael Klein am 27.06.2018 zur Jahresfachtagung 2018 „Crystal-bezogene Problemlagen in Sachsen“ der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren am 27.06.2018 im Hygienemuseum, Dresden, hielt, fokussierte auf die Lebenslage der vermutlich mehr als 10.000 betroffenen Kinder in Deutschland. Er betonte, dass eine frühzeitige koordinierte Ansprache der Eltern seitens der Suchthilfe, der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens, insbesondere durch KinderärztInnen, gute Ergebnisse hinsichtlich elterlicher Therapiemotivation  und –teilnahme erreichen kann. Im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekts seien diese Ergebnisse erzielt worden. Das Erziehungskompetenzprogramm SHIFT (Suchthilfe und Familientraining) zeigte sich nach Erprobung in 7 sächsischen und thüringischen Suchtberatungsstellen, die alle eng mit Einrichtungen der Jugendhilfe kooperierten, sehr erfolgreich bei der Motivierung und Beratung betroffener methamphetaminabhängigerEltern. Insgesamt seien in dem Projekt knapp 100 Eltern erreicht worden. Es sei klar, dass davon auch und vor allem die betroffenen Kinder profitierten. Insofern zeige der SHIFT-Ansatz familienresilientes Potential.

Außerdem seien viele Pflege- und Adoptiveltern engagiert in der Arbeit mit Kindern, die oft auch schon pränatal geschädigt worden seien. Ein entsprechender Fachbeitrag des Kölner Forschungsinstituts DISuP(Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung; www.disup.de) ist unlängst erschienen.

Quelle:

Dyba, J., Moesgen, D. & Klein, M. (2018). Crystal Meth in der Schwangerschaft. Auswirkungen auf die Kindesentwicklung und die Bedeutung für Pflege- und Betreuungspersonen [Crystal Meth Use duringPregnancy. Effects on Child Development and the Impact for Foster and Care Personnel]. PFAD Fachzeitschrift für die Pflege- und Adoptivkinderhilfe 32 (2), 11 – 14. [ISSN 1613-1460]

[Michael Klein, 04.07.2018]

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