BzgA-Preis

Anlässlich des Weltkindertages 2018 wurde das Projekt KIDKIT (www.kidkit.de) am 23. September 2018 in Köln mit dem Anerkennungspreis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) für vorbildliche Prävention ausgezeichnet. Prof. Michael Klein ist Initiator dieses ersten Online-Hilfeprojekts, das seit 2003 zusammen mit der Drogenhilfe Köln durchgeführt wird. KIDKIT richtet sich an Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. KIDKIT erreicht jährlich mehr als 100.000 Webclicks und erhält fast 1.000 Beratungs- und Hilfeanfragen. Der Kinderhilfeverein KOALA e.V. ist neben der Drogenhilfe Köln der zweite Träger des Projekts KIDKIT. In Zukunft soll das Online-Angebot KIDKIT, das sich jetzt schon an Kinder suchtkranker, psychisch kranker und gewalttätiger Eltern richtet, für weitere Zielgruppen (z.B. besonders einsame Kinder, Kinder mit sexuellem Missbrauch) weiterentwickelt werden.

(MK, 19.09.2018)

Buchempfehlung: Sucht und Abhängigkeit bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

In diesem Grundlagenwerk für die Praxis wurde neues interdisziplinäres Wissen zum Thema Abhängigkeiten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengestellt. Ziel ist es, den Abhängigen und ihren Familien ebenso wie den professionell Handelnden die Informationen zu vermitteln, mit deren Hilfe es gelingen kann, eine gute und neue Vision vom Leben
zu entwickeln. Über z.B.:

  • verschiedene neue Formen von Abhängigkeit (Computerspiele),
  • Cannabinoide oder die Substanz Crystal,
  • die Rückkopplungsprozesse abhängigkeitsbelasteter Schwangerschaftsverläufe für das Leben nach der Geburt,
  • Essstörungen und andere relevante Themen aus den Randbereichen von Abhängigkeit (z.B. Trauma und Sucht, Traumabehandlung von Kindern und Jugendlichen, Bindung und Sucht),
  • ambulante, teilstationäre und stationäre Infrastruktur der Behandlungsangebote,
  • Systemisches Eltern-Coaching, Neurobiologische Prozesse, interdisziplinäre Kooperation.

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Weiterführende Informationen: PDF Flyer

Sucht über die Lebensspanne – die Kindheit ist entscheidend

Zum 19. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin vom 05.07. bis 07.07.2018 in München referierte Prof. Michael Klein vor mehr als 400 Fachkräften aus der Suchtmedizin zu den Entwicklungs- und Lebensbedingungen der Kinder methamphetaminabhängiger Eltern. Besonders in Sachsen, Thüringen und in der bayerischen Oberpfalz sind Familien von der Abhängigkeit eines Elternteils vonn Methamphetamin („Crystal Meth“) betroffen. Werden die Eltern dieser Kinder rechtzeitig durch koordinierte Hilfen der Frauenärzte, Hebammen, der Jugend- und Suchthilfe erreicht und zur Veränderung ihres Suchtverhaltens in Richtung Abstinenz bewegt, bestehen gute Chancen auf eine suchtspezifische Behandlungsaufnahme. Bei methamphetaminabhängigen Eltern besteht dann eine fast 80-ige Chance, dass sie im Behandlungsprogramm bleiben und damit sehr oft auch ihre Abstinenz festigen. In einem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) finanzierten Projekt wurde von einer Arbeitsgruppe am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) unter Prof. Michael Klein ein elternspezifisches Beratungs- und Behandlungsprogramm entwickelt und evaluiert. Dieses als SHIFT-Elterntraining (Suchthilfe- und Familientraining) bezeichnete Programm besteht aus acht Modulen zur Förderung der Familienresilienz und hat die oben beschriebenen guten Ergebnisse bezüglich Akzeptanz und Verbleib bei der Studie mit mehr als 80 methamphetaminabhängigen Eltern erreicht. Ein Transfer des SHIFT-Programms zu allen illegalisierten Drogen und in alle bundesdeutschen Regionen ist nunmehr geplant.

[Michael Klein, Köln, 12.07.2018]

Crystal Meth in der Schwangerschaft und danach – Hilfen für methamphetaminabhängige Eltern, betroffene Kinder und Pflege- und Adoptiveltern

Der Vortrag „Methamphetamin und Familie – Förderung der Familienresilienz, den Prof. Michael Klein am 27.06.2018 zur Jahresfachtagung 2018 „Crystal-bezogene Problemlagen in Sachsen“ der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren am 27.06.2018 im Hygienemuseum, Dresden, hielt, fokussierte auf die Lebenslage der vermutlich mehr als 10.000 betroffenen Kinder in Deutschland. Er betonte, dass eine frühzeitige koordinierte Ansprache der Eltern seitens der Suchthilfe, der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens, insbesondere durch KinderärztInnen, gute Ergebnisse hinsichtlich elterlicher Therapiemotivation  und –teilnahme erreichen kann. Im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekts seien diese Ergebnisse erzielt worden. Das Erziehungskompetenzprogramm SHIFT (Suchthilfe und Familientraining) zeigte sich nach Erprobung in 7 sächsischen und thüringischen Suchtberatungsstellen, die alle eng mit Einrichtungen der Jugendhilfe kooperierten, sehr erfolgreich bei der Motivierung und Beratung betroffener methamphetaminabhängigerEltern. Insgesamt seien in dem Projekt knapp 100 Eltern erreicht worden. Es sei klar, dass davon auch und vor allem die betroffenen Kinder profitierten. Insofern zeige der SHIFT-Ansatz familienresilientes Potential.

Außerdem seien viele Pflege- und Adoptiveltern engagiert in der Arbeit mit Kindern, die oft auch schon pränatal geschädigt worden seien. Ein entsprechender Fachbeitrag des Kölner Forschungsinstituts DISuP(Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung; www.disup.de) ist unlängst erschienen.

Quelle:

Dyba, J., Moesgen, D. & Klein, M. (2018). Crystal Meth in der Schwangerschaft. Auswirkungen auf die Kindesentwicklung und die Bedeutung für Pflege- und Betreuungspersonen [Crystal Meth Use duringPregnancy. Effects on Child Development and the Impact for Foster and Care Personnel]. PFAD Fachzeitschrift für die Pflege- und Adoptivkinderhilfe 32 (2), 11 – 14. [ISSN 1613-1460]

[Michael Klein, 04.07.2018]

Kinder Suchtkranker oft mehreren elterlichen psychischen Störungen exponier

Komorbidität als Leitthema des 31. Heidelberger Kongresses des Fachverbandes Sucht vom 20.-22. Juni 2018

Zum 31. Heidelberger Kongress des Fachverbands Sucht e.V. präsentierte Prof. Michael Klein am 21. Juni 2018 seine Forschungsergebnisse und Konzeptvorstellungen für Kinder und Jugendliche, die von mehreren elterlichen psychischen Störungen betroffen sind. Dieses Phänomen, das als psychische Komorbidität bezeichnet wird, kann in sehr verschiedenartigen Konstellationen auftreten. Diese von ihm fokussierte, bislang kaum erforschte, Konstellation der vertikalen Komorbidität bezeichnet das Auftreten psychischer Störungen bei Kindern, wenn die Eltern unter mehr als einer psychischen Störung leiden. Im Bereich elterlicher Suchtstörungen tritt dies besonders häufig auf, da Alkohol-, Drogen- und Glücksspielsucht überwiegend in Kombination mit anderen psychischen Störungen aufzufinden sind. Da Drogenabhängigkeit zu über 85% in Kombination mit einer anderen psychischen Störung – vor allem in den Bereichen Angst, Depression und Persönlichkeit – auftritt, sind diese Kinder meist sehr intensiven Problemverhaltensweisen ihrer Eltern exponiert. Wichtig sind hier vor allem frühe Hilfen für Eltern und Kinder, um die belastete Familie zu stabilisieren und langfristig zu entlasten. Dafür müssen sich Suchthilfe, Psychiatrie, Psychotherapie, Prävention und Medizin enger und verbindlich in Behandlungs- und Hilfenetzwerken zusammenschließen. Das Suchthilfesystem sollte sich auf transgenerationale komorbide Effekte einstellen, dergestalt, dass suchtkranke, komorbide Eltern das Risiko einzelner, aber vor allem komorbider Störungen bei exponierten Kindern steigern. Rechtzeitige Hilfen, Frühintervention, Erziehungskompetenzprogramme für betroffene Eltern und transgenerationale Behandlungsansätze sollten Standard und nicht Ausnahme in den Hilfesystemen sein.

[Michael Klein, 24.06.2018]

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