Komorbidität als Leitthema des 31. Heidelberger Kongresses des Fachverbandes Sucht vom 20.-22. Juni 2018

Zum 31. Heidelberger Kongress des Fachverbands Sucht e.V. präsentierte Prof. Michael Klein am 21. Juni 2018 seine Forschungsergebnisse und Konzeptvorstellungen für Kinder und Jugendliche, die von mehreren elterlichen psychischen Störungen betroffen sind. Dieses Phänomen, das als psychische Komorbidität bezeichnet wird, kann in sehr verschiedenartigen Konstellationen auftreten. Diese von ihm fokussierte, bislang kaum erforschte, Konstellation der vertikalen Komorbidität bezeichnet das Auftreten psychischer Störungen bei Kindern, wenn die Eltern unter mehr als einer psychischen Störung leiden. Im Bereich elterlicher Suchtstörungen tritt dies besonders häufig auf, da Alkohol-, Drogen- und Glücksspielsucht überwiegend in Kombination mit anderen psychischen Störungen aufzufinden sind. Da Drogenabhängigkeit zu über 85% in Kombination mit einer anderen psychischen Störung – vor allem in den Bereichen Angst, Depression und Persönlichkeit – auftritt, sind diese Kinder meist sehr intensiven Problemverhaltensweisen ihrer Eltern exponiert. Wichtig sind hier vor allem frühe Hilfen für Eltern und Kinder, um die belastete Familie zu stabilisieren und langfristig zu entlasten. Dafür müssen sich Suchthilfe, Psychiatrie, Psychotherapie, Prävention und Medizin enger und verbindlich in Behandlungs- und Hilfenetzwerken zusammenschließen. Das Suchthilfesystem sollte sich auf transgenerationale komorbide Effekte einstellen, dergestalt, dass suchtkranke, komorbide Eltern das Risiko einzelner, aber vor allem komorbider Störungen bei exponierten Kindern steigern. Rechtzeitige Hilfen, Frühintervention, Erziehungskompetenzprogramme für betroffene Eltern und transgenerationale Behandlungsansätze sollten Standard und nicht Ausnahme in den Hilfesystemen sein.

[Michael Klein, 24.06.2018]