Am 02.05.2018 referierte Prof. Michael Klein bei der Jahrestagung des Kommunalen des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (KVJS) Baden-Württemberg zum Thema „Substanzkonsum im Jugendalter – alles neu, alles anders? Trends, Innovationen, Reaktionen“. Die Arbeit der Jugendgerichtshilfe zielt darauf ab, straffällige Jugendliche früh zu erreichen und Verhaltensänderungen im Umgang mit Drogen einzuleiten, so dass diese eine gute gesellschaftliche Integration erreichen. Prof. Klein machte deutlich, dass früher Drogenkonsum oft Ausdruck von Selbstheilungsversuch ist vor dem Hintergrund psychosozialen Risiken in der Biographie, wie z.B. komplexe Traumatisierung, suchtkranke oder psychisch kranke Eltern. Das 21. Jahrhundert wird das Zeitalter der Stimulantien werden. Diese Einschätzung wurde noch vor wenigen Jahren von vielen Experten geteilt. Neuroenhancement und Gehirndoping sind passende Stichworte. In den letzten Jahren beginnt jedoch auch eine Renaissance der Opioide, ausgehend von den USA, wo „prescritpion drugs“ massenhaft verordnet werden. In Bezug auf Jugendliche in Deutschland zeigt sich, dass nach wie vor Alkohol und Tabak die am häufigsten konsumierten Substanzen sind. Das Einstiegsalter und die Konsumhäufigkeiten bei Alkohol stellen sich im internationalen Vergleich ungünstig dar. Ein Ergebnis der unklaren Alkoholkontrollpolitik in Deutschland. In Bezug auf illegale Drogen zeigt sich ein heterogenes Bild, da parallel verschiedene Subkulturen existieren: (1) Partygänger und Ausgehszene mit Konsum von synthetischen Drogen, Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS) und sporadisch auch Halluzinogenen. (2) Psychisch beeinträchtigte Jugendliche, oft mit Traumatisierung, Depression, Ängsten. Sie benutzen Alkohol, Cannabis und Opiate zur vermeintlichen Selbstheilung. In ihren sozialen Kontexten sind sie oft benachteiligt und weisen ein hohes Mobbing-Risiko auf. (3) Frühe Deviante. Diese Gruppe zeichnet sich durch sozial abweichendes Verhalten, oft schon in der frühen Kindheit aus. Sie suchen das Risiko, die Grenzüberschreitung und den „Thrill“. Durch frühe Drogenerfahrungen lernen sie, dass hier einfach und scheinbar gefahrlos, Geld zu verdienen ist mit Dealen. Außerdem steigen sie im Ansehen und in der Hierarchie ihrer devianten Subkultur dadurch auf.

Prof. Klein machte deutlich, dass alle drei Subgruppen angemessene präventive und ggf. therapeutische Hilfe erfahren müssen. Dabei spielt die Jugendgerichtshilfe eine entscheidende Rolle, meist in Kooperation mit Staatsanwaltschaften, Gerichten, der Suchthilfe und anderen Feldern der Jugendhilfe. Entsprechende Konzepte (z.B. FRED) liegen vor.

In der Zukunft werden durch weitere neue synthetische Drogen, eine vermutlich in wenigen Jahren anstehende Liberalisierung des Umgangs mit Cannabis im Erwachsenenalter, einer großen Zahl unbehandelter, traumatisierter Jugendlicher mit Fluchtbiographie und sozialen Verwerfungen im Kontext mit Arbeitswelt 4.0 neue Herausforderungen auf Drogenhilfe und Jugendgerichtshilfe zukommen, für die am besten jetzt schon passende Lösungen entwickelt werden sollten.